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 500 Jahre Garachico - London

Keine Frage, die Kanarischen Inseln gehören so zu Spanien wie die englischen Kronjuwelen in den Tower von London. Lehnt man sich jedoch einmal entspannt in den Lesesessel und schaut zurück, so scheint es, als ob die Engländer mehr als jede andere Nation das Ruder der Geschichte der Kanaren geführt haben.

Szenenwechsel: Covin Garden, Canary Wharf, einer der modernsten U-Bahn Stationen von London, steigt man dort aus, so betritt man das 21. Jahrhundert. Schwindelerregende Wolkenkratzer, Glas und Kunst beeindrucken jeden Besucher und machen das Fragezeichen noch grösser! Canary Wharf? Noch nicht einmal die Themse ist mehr zu sehen, geschweige denn Werften. Ein einziges, rudimentäres Lagerhaus hat man stehen lassen und exklusiv in ein museales Shopping Center umgestaltet. Vor dem Lagerhaus gibt es ein mit Wasser gefülltes Loch mit einem alten Frachtsegler, fest verzurrt, denn diese Geschichte ist zu Ende.

Dabei ist es keine 50 Jahre her, dass hier ein pulsierendes Hafengebiet lag, wo Schiffbau und Warenumschlag in enormen Umfang das Leben bestimmte. Spanien, die Balearen und die Kanarischen Inseln waren die andere Seite dieses florierenden Handelsplatzes.
Las Palmas, Santa Cruz de Tenerife, Puerto de la Cruz und Garachico waren hier schon Namen die jeder kannte, als man an anderen Orten noch gar nicht wusste, dass die Kanarischen Inseln nicht das versunkene Atlantis darstellen.


 

Nun steht jedoch unser Lesesessel in einem dieser urgemütlichen"Rural-Hotels" von Garachico, wie man die Landhausunterkünfte hier in Spanien nennt, und die Frage lautet, was war hier los vor 500 Jahren oder auch nur vor 50 Jahren? Die glanzvollen Zeiten spielten sich ja direkt in diesen Gemäuern ab. Kraftvolle Auseinandersetzungen, wilde Streitigkeiten rund um das Hafengebiet, Handel wurde betrieben mit Gewürzen und Gold aus Indien, Stoffen und Malvasiertrauben. Sklavenhandel aus Afrika war an der Tagesordnung. Ständig hatte man Angst vor Piratenüberfällen und das Echo der Kanonen der Schutzfestung von San Miguel klang sicherlich oft in den Ohren der Bürger und hallte zurück von der schroffen Felswand, welche den Rücken dieses Ortes bildet. Die grosse Wende kam erst im Jahre 1706. Die Lava vernichtete den halben Ort sowie den Naturhafen und somit auch die Bedeutung des Ortes für lange lange Zeit. Doch die Geschichte begann ja viel früher! Zwei Jahre lang dauerte die Schlacht um die Herrschaft über Teneriffa zu gewinnen.

Der Eroberer Alonso Fernández de Lugo stand im Sold der katholischen Könige von Spanien als er mit seinem Heer, das von einer Pest geschwächte, stolze Volk der Guanchen von Teneriffa besiegte. Der Startschuss war abgefeuert um Teneriffa mit dem Rest der Welt zu verbinden.

1496 gehörte Don Cristobal de Ponte, ein Kaufmann aus dem italienischen Genua zu den Gründern von Garachico, da dieser Ort über eine geschützte Bucht verfügte, welche man als Naturhafen bezeichnen konnte. Das Umfeld, also die Gegend, welche man heute "isla baja" (die flache Insel) nennt, war und ist überaus fruchtbar und somit eine Kornkammer der Insel. Verbindungswege, gar bis nach Puerto de la Cruz gab es natürlich keine, so dass Garachico in erster Linie ein Umschlaghafen war, von dem aus alle Arten von Nahrungsmitteln verschifft wurden, die nach Puerto de la Cruz oder Santa Cruz gebracht wurden. Die Bedeutung als internationaler Hafen war von extrem kurzer Dauer.

Am Anfang der Beziehung Garachico/London stand der Transport von Weinfässern, gefüllt mit dem edlen Most der Malvasie Traube. Dieser Most, der auf See sicherlich weiter reifte, kam dann mit ein wenig Glück als wohlschmeckender Sherry in die verwöhnten Kehlen der englischen Aristokratie. Dieser Tropfen ging als "Canary Sack" (von "secco" = trocken) in die Geschichte ein. Der edle Rebensaft erzielte einen guten Preis und in umgekehrter Richtung kamen für die Guanchen Teneriffas so unbekannte Güter wie Gewürze, Stoffe, Werkzeuge und Metallwaren auf die Insel.

Für kurze Zeit ging die Wirtschaft steil bergauf, wie Zeitzeugen, in Form von aufwändigen Gebäuden der Stadt, noch heute unter Beweis stellen. Insbesondere der Schiffbau erfuhr hier in Garachico eine besondere Blüte. Diverse Dokumente aus den Jahren 1525 bis 1530 berichten in höchstem Lob über die "meist einfachen Schreiner", die alles in einem waren: Ingenieure, Designer und Konstrukteure! Als Taufpate von einem der Schiffe erscheint er wieder, dieser magische Name des Mitbegründers der Stadt, Don Antonio Monteverde y Ponte. Bis über das Jahr 1670 hinaus blieb England der Hauptabnehmer der kanarischen Winzer. Das Geschäft lief so gut, dass englische Händler im März 1665 die Spedition Canary Company gründeten. Eine Geschäftsgründung von recht kurzer Dauer, denn nach nur zwei Jahren gab man wieder auf. Der Gegenwert, den die kanarischen Winzer für ihre Weine bekamen, soll so verächtlich gering gewesen sein, dass man in einer legendären Kristallnacht, der Nacht vom 2. auf den 3. August 1666, ausgezogen war, alle "bodegas" (Weinkeller) aufbrach und der Wut ausdruck verlieh, indem man sämtliche Fässer mit Äxten zerstörte, so dass "es plätscherte in den Gassen des Ortes wie nach einem starken Regenguss".


 

Im Jahre 1797 gab es dann noch einmal einen letzten, jedoch erfolglosen Versuch der Engländer, den Spaniern ihr Kleinod Teneriffa zu entreissen. In der legendären Schlacht vor Santa Cruz de Tenerife tobte eine Seeschlacht unter Admiral Lord Nelson. Die Engländer verloren die Schlacht, der Admiral einen Arm und Teneriffa blieb Spanisch.

Die Weinreben waren jedoch nicht alles was die fleissigen Bauern Teneriffas kultivierten. Eine ganz besondere Bedeutung hat die Geschichte der Zuckerrohr-Plantagen, deren Höhepunkt um das Jahr 1520 bereits überschritten war. Mehrere Jahrhunderte später boomte neue landwirtschaftliche Produkte, wie Tomaten oder auch die berühmten Koschenille-Schildläuse, für die man tausende von Opuntien-Kakteen angepflanzt hatte. Die Läuse brauchten diese Kakteen um auf ihnen in Kulturen zu leben - das Endprodukt war der Färbstoff Karmin-Rot, die Farbe der Könige. Danach kamen die Kartoffeln, die Bananen und zum Ende wir selber, die Touristen.

Besonderen Dank an Don Baltasar de Ponte Machado, diesem freundlichen Menschen und Besitzer des Rural-Hotels EL PATIO, auf dessen ruhiger Liegewiese, inmitten einer enormen Bananenplantage ich diesen Artikel schreiben durfte. Ein weiteres Danke an Don Carlos Acosta García, für sein Wissen um die Geschichte des Ortes und die seltenen fotografischen Aufnahmen sowie an Don Dominique Carayon, den Inhaber des Design Hotels von Garachico, SAN ROQUE für seinen unermüdlichen Einsatz zum Wohle dieses Ortes und der Region.


 

Quelle: Report Tenerife