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 Fisch gegen Kartoffeln

Gastronomie, Feinschmecker Restaurants, Genuss pur und im Überfluss. So macht es uns Spass und so soll es auch bleiben - aber es war nicht immer so - hier auf den Kanaren. Nachfolgend gebe ich Ihnen einen Situationsbericht über die häuslichen historischen Gegebenheiten auf der Insel Teneriffa, so, wie sie mir die "Alten" Canarios erzählt haben:
Es war gegen drei Uhr morgens, als Conchi von den Stimmen der heimkommenden Männer geweckt wurde. Sie schienen einen guten Fang gemacht zu haben, denn sie machten Scherze und lachten.

>Endlich<, dachte sie, schnell aufstehend und sich bekleidend, >...kann ich Kartoffeln eintauschen. Zeit wird es ja!< Wie erhielt eine normale Familie die lebensnotwendigen Dinge. Sie ass mit den Fischern ihrer Familie etwas Caldo (Brühe) mit Gofio, und machte sich bereit. Schnell zog sich die junge Frau ihre aus alten Autoreifen gemachten und ebenfalls getauschten Schuhe an. Ihr Mann José hatte in einem Korb auf feuchtem Gras den Fisch vorbereitet und mit Tang und einem nassen Tuch bedeckt. Sie wollte die Frische des Morgens nutzen, nahm den Korb auf den Kopf und machte sich auf den langen Weg.

Sie ging mit ca. 45kg Fisch von "Las Galletas" über "Valle San Lorenzo" den Berg hinauf nach "Vilaflor" um ihn gegen Kartoffeln einzutauschen. Es würde ein mühsamer Aufstieg werden, aber ihre Familie brauchte dringend neue "Papas".

So wie Conchi an diesem Morgen waren überall auf der Insel Teneriffa Frauen unterwegs, um Lebensmittel zu tauschen.Gegen andere, aber auch gegen Dinge des täglichen Gebrauchs. Ja wenn es ging, sie für ein paar Peseten oder Centimos zu verkaufen, um die Dinge zu erstehen, die sich nicht tauschen liessen. Aber Geld war nicht die Regel. Man tauschte Tomaten gegen Zwiebeln, Fleisch gegen Gemüse, oder Nahrungsmittel gegen Schuhe oder Wolle u.s.w.! Die Insel war für die Mehrheit ihrer Bewohner ein Platz, wo schlicht um die blosse Existenz gekämpft wurde. Der Hunger war normaler Hausgast bei vielen Familien. Die meist zahlreichen Mitglieder durchzukriegen, erforderte unsägliche Mühen. Kinderarbeit war normal.

Die "Reichen", also Besitzer der Plantagen von Tomaten, Tabak, Wein und Kartoffeln bestimmen die Löhne selbst, die folgerichtig sehr gering waren. Das Geld reichte nie. Wenn es irgend ging, wurde auf etwas eigenem Land angebaut, was zum Tausch angeboten werden konnte.

Conchi hatte den kleinen Ort "Valle San Lorenzo" erreicht. Sie ging zum Haus ihrer dort lebenden "Abuela", ihrer Grossmutter. Dort waren Tanten und Cousinen damit beschäftigt, Gofio zu mahlen und Brot zu backen. Man sass ein paar Minuten zusammen und tauschte Neuigkeiten und Informationen. Zwei junge Männer der Familie waren nach Venezuela emigriert. Sie hatten geschrieben, dass es ihnen relativ gut ginge, da sie beide Arbeit gefunden hätten. Dennoch hatten sie Heimweh und versprachen, wenn sie weiter Glück hätten, Geld für die Familie zu sparen. Abuela weinte etwas. Von ihren sieben Kindern und zwölf Enkeln waren schon vier ausgewandert. So wie ihr ging es vielen Familien. Venezuela war das Zauberwort und die Insel hatte eine grosse Zahl an Emigranten. Sie versuchten ihr Glück und nicht wenige brachten es zu einem gewissen Wohlstand. Mit dem gesparten Geld zurückgekehrt, erwarben sie ein kleines Geschäft oder ein Stück Land und taten das ihrige, um der Familie zu helfen. Viele blieben in Amerika und noch heute gibt es mannigfaltige Verbindungen zwischen Teneriffa und Venezuela.

Nachdem sich die junge Frau etwas ausgeruht und mit Grossmutters Spezialität Potaje de berros "Kressesuppe" gestärkt hatte, lud sie sich die Last wieder auf und machte sich an den langen Anstieg nach "Vilaflor". Sie würde unterwegs nochmals halten, bei einem anderen Zweig der Familie.


 

In der Zeit, also vor 50 bis 60 Jahren, war die typische Kanarische Küche recht einfach und an die hiesigen Produkte gebunden. Für die harte Arbeit wurden Kalorien gebraucht. Der Gofio spielte eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Ernährung. Mit ihm wurden sowohl die Suppen angereichert, als auch andere Speisen gehaltvoller gemacht. Ja sogar mit Wein getrunken, erfüllte er seine Aufgabe als wichtigstes Nahrungsmittel. Die Speisen richteten sich natürlich auch nach den in der Gegend angebauten Produkten. Eine wirklich arme Region war die Küste. Dort gab es Fisch aber sonst kaum etwas darüber hinaus. In den höher gelegenen Orten war Gemüseanbau und Viehzucht möglich. Hühner, Kaninchen aber auch Schwein, Schaf und Ziege waren die Fleischlieferanten. Letztere als Milchtiere ebenso wichtig wie für die Käseherstellung. Es gab in der Zeit ca. vierzig verschiedene Käsesorten auf der Insel, von denen heute leider nur noch acht existieren. Diese Nahrungsmittel waren in der Regel für den Eigenverbrauch bestimmt, oder, wie oben beschrieben zum Tausch. Aber es reichte halt nie, und Geld für dringende Reparaturen war auch nicht da. Speziell in den unteren Regionen, auf der Südseite mit seinem schlechten Wasser, waren die Zustände katastrophal. Wenn der Fisch ausblieb, oder in langen Dürreperioden, war das Lebensminimum erreicht. Man war auf die Hilfe aus anderen Regionen angewiesen. Eine war die Gegend von "Santiago de Teide". Dort gab es über den Eigenbedarf hinaus sehr viele Hilfe für die Familienmitglieder in vom Hunger heimgesuchten Gebieten. Natürlich versuchte man sich gegenseitig zu helfen.

Und immer waren es die Frauen, die, wie unsere Conchi den Transport und Tausch bewerkstelligten. Die Männer verdingten sich für schlecht bezahlte und sehr harte Lohnarbeit an die Grossgrundbesitzer. Oder sie emigrierten. Der Tourismus existierte nur im Raum "Puerto de la Orotava" dem heutigen "Puerto de la Cruz" und war bedeutungslos für die Insel. Die Bauindustrie war sehr klein und Fabriken gab es kaum.

Conchi hatte es geschafft. Sie hatte am späten Nachmittag "Vilaflor" erreicht und bei einer Cousine würde sie übernachten. Deren Mann hatte den Fisch gegen Papas Bonitas eingetauscht. Ja er hatte sogar den Transport für diese Woche noch möglich gemacht, da er eine Fuhre Holz zu einem Grundbesitzer an der Küste liefern wollte. Dort könnten die Frauen die Kartoffeln abholen. Zur Feier des Tages und weil es Sonntag war, hatte die Hausfrau einen ihrer berühmten Pucheros gekocht. Mit drei Sorten Fleisch, viel Gemüse und Gofio wahrlich ein Festessen. Ausserdem hatte Mercedes sie gebeten, einiges Gemüse mitzunehmen und es in "Valle San Lorenzo" gegen Schuhe für die Familie bei einem Zapatero (Schuster) einzutauschen. Dafür könne sie sich etwas für die eigene Küche abzweigen.


 

Quelle: Report Tenerife